zuletzt geändert am 26.02.2025
Nach vielen Jahren Erfahrung mit Pusheraktien ist es meine Intention, vor solchen Aktien zu warnen und vor Verlusten zu schützen. Und wie hoch die Verluste mit kritischen Aktien sind, zeigt eine Untersuchung, die zum erschreckenden Ergebnis einer jährlichen Kapitalvernichtung von 28 Mrd. Euro führt. Diese Summe verlieren Anleger weltweit jedes Jahr, weil sie auf kritische Aktien hereinfallen. Die Auswertung der Bilanzen zeigt, dass Anleger bei jedem Emittenten einer Müll- oder Pusheraktie im Schnitt rund 74 Mio. $ Kapital verlieren.
Pusheraktien
Wenn Emittenten Aktien mit dem Ziel ausgeben, am manipulierten Kursverlauf möglichst hohe Gewinne einzustreichen, dann handelt es sich um Pusheraktien. Pusheraktien haben in der Regel so gut wie keinen Substanzwert. Es sind Wertpapiere, deren Kurse durch übertriebenes Marketing, manipulative Handelsstrategien und gezielte Informationsverzerrungen nach oben getrieben werden. Anzutreffen sind Pusheraktien vor allem in den Sektoren Rohstoff, Pharma und Gesundheit, Finanzen und bei allen Hype-basierten Innovationsthemen.
Aber nicht nur Pusheraktien zeigen herausragende Kursspitzen, sondern der Kurs jeder Aktie kann bei starkem medialen Wirbel steil nach oben getrieben werden. Aber, ein gepushter Aktienkurs und eine Pusheraktie sind nicht dasselbe. Bei der Pusheraktie sind die Pusher „Insider“, die mit horrenden Gewinnversprechungen Anleger verlocken. Bei einem gepushten Kurs sind die Pusher Externe: Medien, Experten, Börsengurus etc., die eine Aktie besonders vorteilhaft darstellen und den Sturm auf die Aktie auslösen. Eines haben beide gemeinsam: am Ende bricht der Kurs zusammen.
Typen von Pusheraktien
Aktien basieren eigentlich auf dem Wert eines Unternehmens, der sich im Aktienkurs widerspiegeln soll. Für Pusheraktien gilt dies nicht. Sie sind im schlimmsten Fall nur eine Gaukelei, in der Mehrzahl der Fälle eine Utopie und oft auch das Vehikel für Heuschrecken.
Gaukelei: in diesem Fall ist die Firma eine reine Attrappe, die dazu dient, aufregende Geschichten über riesige zukünftige Erfolge zu verbreiten, die den Aktienkurs antreiben sollen bis er schließlich wieder zusammenbricht.
Utopie: die Firma existiert real und strebt einen Unternehmenserfolg an, der so gut wie nie erreicht wird. Das Ziel bleibt eine Utopie, an deren Ende der Aktienkurs zusammenbricht. Ob es sich dabei um Start-up-Unternehmen mit ernsthaften Absichten und neuen Ideen handelt oder um Unternehmen, die von Anfang an nur hehre Ziele vortäuschen, ist oft genug nicht zu unterscheiden. Das gilt besonders im Fall des Vehikels.
Vehikel: die Firma existiert, hat einen innovativen Charakter, der von Heuschrecken für eine Utopie missbraucht wird. Das trifft fast immer zu, wenn im Management oder Board des Unternehmens noch die Gründer sitzen, aber keinen Einfluss mehr auf das Firmengeschehen haben. Die Idee der Gründer wird von den Heuschrecken ausgebeutet bis der Aktienkurs zusammenbricht.
Kursmanipulationsmodelle
Beim Erst-Listing in unregulierten oder schwach regulierten Märkten wie z.B. TSX Venture Exchange, Canadian Securities Exchange oder OTC-Märkten ist die Manipulation des Eröffnungskurses nicht ausgeschlossen. Emittenten und Interessensgruppen können durch Abstimmung der Kauf- und Verkaufsangebote einen von ihnen gewünschten Eröffnungskurs erreichen. Dabei entscheiden sie sich zwischen zwei grundsätzlichen Varianten: sehr hoher oder sehr geringer Eröffnungskurs. Davon leitet sich das Kursmanipulationsmodell ab, von dem es grundsätzlich drei Arten gibt: das Inkassomodell, das Pump and Dump Modell und das Refreshmodell.

Beim Inkassomodell gibt der Emittent vor oder zu Beginn des Listings große Aktienpakete (ev. im Zuge eines private placements) zu einem sehr geringen Preis an eng verbundene Teilnehmer ab. Der Aktienkurs startet mit einem manipulierten hohen Eröffnungskurs, wird im Idealfall noch weiter nach oben getrieben, ehe die Teilnehmer nach und nach ihre Aktien mit hohem Gewinn zu verkaufen beginnen, was dann den Kursverfall einleitet.

Beim Pump and Dump Modell startet der Aktienkurs auf niedrigem Niveau. Die Emittenten geben Aktienpakete zu ebenfalls niedrigen Preisen an vertraute Investoren im Rahmen von Private Placements aus. Danach treiben die Emittenten und ihre Partner den Kurs durch aggressive Marketingkampagnen und Scheintransaktionen in die Höhe, um ihre Aktien während der Hochphase teuer zu verkaufen, worauf der Kurs zusammenbricht.

Das Refreshmodell ist eine Iteration des Pump and Dump Modells, bei dem der Aktienkurs in unregelmäßigen Abständen immer wieder einmal gepusht wird. Es folgt eine Kursspitze auf die andere, wobei die Kursspitzen in der Regel immer kleiner werden. Da aber auch der Basiskurs immer weiter absinkt, bleibt den Emittenten genügend „Hub“, um immer noch 100% und mehr an Kursgewinn zu erzielen.
Die Wiederholung der Pushmanöver geht bis in die Endphase einer Aktie, in der der Kurs – gemessen am Allzeithoch – fast auf null gesunken ist. In der Endphase wird häufig auf automatisierten Handel umgestellt, was im massiv höheren Handelsvolumen erkennbar wird. Auch damit lässt sich für die Betreiber noch guter Gewinn erzielen.
Wir, außenstehende Anleger, können einen rasant steigenden Aktienkurs nicht zwangsweise als Folge einer Pushaktion erkennen. Was einen Kurs antreibt ist nicht evident. Es kann handfester Unternehmenserfolg sein oder nur lautes Marktgeschrei ohne Gehalt. Von der Tatsache, dies nicht offenkundig und leicht unterscheiden zu können, lebt das Szenario des Pushens. Solange wir glauben, es könnte sich um den großen Wurf handeln, so lange lebt die Utopie.
Beispielhaftes Pushmanöver

Am 22.11.2014 nahm die Aktie den Handel mit einem Kurs von 1,60 CAD wieder auf. Umsatz und Kurs sanken stark, so dass Gegenmaßnahmen getroffen werden mussten. Am 31.12.2024 nahm das Handelsvolumen ungewöhnlich stark zu und die Kursspannen lagen um 20% und mehr über dem durchschnittlichen Handelsgeschehen, Ab 16.01.2025 warb Aktiencheck massiv für die Aktie. Beide Ereignisse sind am Pushindikator gut abzulesen. Es gibt also keinen Zweifel, dass der Kurs angetrieben wird und dass es sich um einen Pump handelt. (22.01.2025)

Nachträglicher Bericht vom 26.02.2025: Bereits am 24.01.2025, also zwei Tage nach vorangegangenem Bericht, wurde der Höchstkurs von 4,35 CAD erreicht und die Aktien schlagartig verkauft. Am 29.01.2025 betrug der Kurs nur noch 1,20 CAD. Nur an der CSE, an welchen Börsen noch ist unbekannt, wurden 120.000 Stück verkauft, was einem Gewinn von einer halben Million CAD entspricht.
Ein gutes Beispiel für das Pump and Dump Geschäft.
Erkennung von Pusheraktien
Glücklicherweise ist es nicht sehr schwer, pushverdächtige von seriösen Aktien zu unterscheiden, wenn man sich an wenigen grundsätzlichen Fakten orientiert.
- Aktienkursverlauf
- Finanzdaten
- Akteure
- Werbung
Es gibt durchaus noch andere Kriterien die auf Pusheraktien hinweisen, wie Briefkastenadressen, das Vorhandensein von Capital Pool Companies, die Inanspruchnahme spezieller Servicefirmen oder die Abwesenheit von Personal. Im Einzelfall helfen sie das Bild abzurunden, aber mir den vier o.g. Kriterien kommt man der Sache schon auf den Grund. Auf diese vier Kriterien konzentriert sich die maschinelle Auswertung, die ein klares Ergebnis liefert, das helfen soll, kein Geld zu verbrennen.
Grundsätzlich rate ich: Hände weg von pushverdächtigen Aktien – und sei die Werbeverlockung noch so groß. Nur wenn Sie überzeugt sind, an dem Push und der Kurshausse erfolgreich partizipieren zu können, dann ist zocken vielleicht eine Alternative. Meine Erfahrung führte zum Ergebnis: es lohnt sich nicht. Investieren Sie lieber in wirklich starke Aktien, die in den Börsenindizes der führenden Wirtschaftsnationen zu finden sind. Setzen Sie nicht auf kurzfristige und sprunghafte Kurssteigerungen, sondern auf langfristiges Kurswachstum, was die folgenden zwei Beispiele augenscheinlich machen sollen.


Den Unterschied zwischen einer soliden, trotz aller Kurssprünge erfolgreichen Aktie (links) und einer Pusher-Aktie (rechts) erkennt man in den allermeisten Fällen allein schon am Verlauf des Kurses und der Handelsvolumina.
Abgrenzung Standardaktien vs. Pusher- und Müllaktien
Die vorstehende Beschreibung von Pusheraktien stimmt mit dem Begriff „Pusheraktien“ – wie auf dieser Website verwendet – nur bedingt überein. Die erfassbaren Fakten – Kurs, Handelsvolumen, Finanzdaten, Akteure und Medien – führen zu einer etwas anderen Definition „Pusheraktie“. Eine Pusheraktie liegt im Rahmen hier praktizierter Auswertung vor, wenn der PushScore zwischen zwei Grenzen liegt und weitere Kriterien erfüllt sind. Eine Müllaktie liegt immer vor, wenn ein Grenzwert des PushScores überschritten wird und wenn weitere Kriterien erfüllt sind. Standardaktien liegen vor, wenn der PushScore unter einer Grenze liegt, und wenn zusätzlich die Pushstärke unter einer Grenze liegt, so handelt es sich um Prime-Aktien.
Mit der regelbasierten Bewertung ist es nicht möglich, die drei Klassen Müll-, Pusher- und Standard-Aktien vollständig zu trennen, sondern die Klassen vermischen sich. Dennoch erkennt man eine deutliche Gruppenbildung.

.NE … Cboe Canada (ehemals NEO Exchange)
.V … Toronto Stock Exchange Venture
.TO … Toronto Stock Exchange
.AX … Australian Stock Exchange
Prime … Prime Marktsegment an Börsen
PushScore und Pushstärke ermöglichen es auch, das Risiko zu bewerten, wie stark man an Börsen auf Pusheraktien stößt. So zeigt die Auswertung „Pushers Hort“ sehr deutlich, welch großer Unterschied zwischen den Prime-Märkten und dem unregulierten Markt an der Canadian Security Exchange (Ticker-Symbol „.CN“) liegt. Kanadische Aktien zählen ohne Zweifel zu den risikoreichsten.