Erfolg von Rock Tech Lithium in Guben?

zuletzt geändert am 03.04.2025

Wer die Filings von Rock Tech Lithium (RCK) des letzten Jahres liest, stellt fest, dass Georgia Lake aus nichts als aktivierten Kosten besteht und dass Guben nur Assets von 2,4 Mio EUR (ein Nichts gegenüber den 800 Mio Euro Projektkosten) ausweist. Die Fördermittel des BMWK kamen nicht und die Förderzusage des Landes Brandenburg existiert nicht mehr. Die Jagd nach Fördermitteln war bisher erfolglos und weit und breit sind keine Investoren in Sicht. Außer zwecklosen Abkommenserklärungen gibt es nichts. 2025 will man in Guben produzieren, auf einem Gelände, das noch immer eine Brache ist.

Bild: dpa/Pleul von rbb24.de
Realität
Plan der Konverteranlage von Rock Tech Lithium
und Absicht

Nicht genehmigte Fördermittel

RCK versucht seit längerem Fördermittel für das Projekt in Guben einzuwerben. Das BMWK hatte im Mai 2024 einen Förderantrag von RCK über 200 Millionen Euro abgelehnt.

RCK erlangte eine Förderzusage des Landes Brandenburg für das Projekt in Guben, die bis Ende 2024 befristet war. Diese Frist ist verstrichen und die zugesagte Förderung von 90 Mio. Euro nicht mehr gültig.

Die Sitzung des Brandenburger Landtags vom 23.01.2025 (Aufzeichnung ab 10:42 – 16:52 min) befasste sich mit dem Stand der Förderung und zeigt, dass

  • bis dato von RCK keine konkrete Antragsstellung erfolgt ist und alle vorangegangenen Antragstellungen ausgelaufen sind
  • das BMWK am 16.10.2024 eine Ergänzung der Förderung im Rahmen „STARK“ bekanntgab
  • Projektskizzen hierzu beim Projektträger VDI/VDE einzureichen sind
  • eine Antragstellung auf Förderung im technischen Sinne erst nach positivem Abschluss des Vorverfahrens möglich ist
  • das Brandenburger Ministerium die Ergebnisse aus dem STARK-Programm abwartet.

D.h. im Klartext: RCK hat mittlerweile keinerlei Förderzusage und rittert nun ggf. im EU-CRMA- sowie dem STARK-Programm um Fördermittel. Das Land Brandenburg hat keine Förderung für RCK in der Pipeline.

Noch im Oktober 2024 hieß es hingegen in einer Sendung von Antenne Brandenburg, dass laut RCK die nötige Finanzierung so gut wie steht und Verhandlungen mit Investoren für das geplante Werk kurz vor dem Abschluss wären, so dass man voraussichtlich Anfang 2025 mit dem Bau des Konverters beginnen könne. Mit mehreren Banken strebe das Unternehmen eine Fremdkapitalquote von 60 Prozent an und habe bislang mehr als 50 Millionen Euro Eigenmittel investiert.

Fast nichts an diesen Aussagen eines Pressesprechers von RCK ist gültig. Die Finanzierung steht nicht, es gibt keine Investoren oder Banken, die 60% Fremdkapital sind Illusion und an Eigenmitteln hat RCK bis September 2024 laut Quartalsbericht nicht 50, sondern nur 2,4 Mio. EUR investiert.

Neue Fördermöglichkeiten

RCK hatte sich um Mittel aus dem Critical Raw Materials Act (CRMA) der EU beworben und das Projekt wurde – wider die Vermutung, es würde scheitern – in die Liste der strategischen Projekte aufgenommen. Auch wenn dies ein wichtiger Schritt für RCK ist, so bedeutet dies nicht den Durchbruch für die Projektrealisierung, denn die Finanzierung steht weiterhin vor erheblichen Hürden. Dazu muss man wissen, welche Vorstellungen die EU bei der Finanzierung der Projekte hat.

Die Finanzierung von Projekten im Rahmen des Critical Raw Materials Act (CRMA) der Europäischen Union erfolgt durch eine Kombination aus öffentlichen und privaten Mitteln. Eine vollständige (100%) Förderung durch öffentliche Gelder ist nicht vorgesehen. Stattdessen wird erwartet, dass Projektträger einen Teil der Finanzierung selbst aufbringen und zusätzlich private Investitionen einwerben.​

Die Europäische Kommission hat eine Finanzierungsuntergruppe des Critical Raw Materials Board eingerichtet, die Projektträger dabei unterstützt, geeignete Finanzierungsquellen zu identifizieren und zu nutzen. Diese Untergruppe bringt nationale Förderbanken, die Europäische Investitionsbank (EIB), die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBWE) sowie private Finanzinstitute zusammen, um Beratung und Unterstützung bei der Finanzierung bereitzustellen. ​Zudem können regionale und nationale Behörden Mittel aus dem Europäischen Entwicklungsfonds und dem Kohäsionsfonds zur Unterstützung dieser Projekte einsetzen.

Dennoch bleibt es erforderlich, dass Projektträger einen signifikanten Eigenanteil leisten und private Investitionen mobilisieren, um die Gesamtfinanzierung sicherzustellen. ​Somit hat sich die Situation zur Finanzierung zwar verbessert, dennoch muss RCK einen signifikanten Eigenanteil leisten und private Investoren finden, um an die Fördermittel der EU zu gelangen. Nachdem weiter keine Eigenmittel vorhanden sind und private Investoren bisher nicht aufgetan wurden, kann nicht erwartet werden, dass der Durchbruch gelingen wird. P.S. Der Aktienkurs zuckte nach Bekanntgabe der EU-Projektauswahl kurz hoch, um gleich wieder zu sinken.

Finanzdaten

Eine Analyse der Finanzdaten aus dem Quartalsbericht vom Sept. 2024 zeigt zudem, wie substanzlos das Unternehmen ist und dass ihm alle Voraussetzungen fehlen, ein derart großes Industrieprojekt zu bewältigen (alle Daten in CAD, wenn nicht anders vermerkt).

Anlagevermögen

Das Anlagevermögen schrumpfte seit Ende 2023 fast um zehn auf 37,12 Mio. Davon entfällt der Löwenanteil auf aktivierte Explorationskosten im kanadischen Projekt Georgia Lake, sowie weiters auf Bargeld und das bereits erwähnte Anlagevermögen Guben. Werthaltig sind nur Guben und Geld.

Einnahmen/Ausgaben

RCK verfügt über keine Einnahmen. Von den Ausgaben floss während der letzten beiden Jahre ein erheblicher Teil mit gut 16 Mio. (43,5%) in das Projekt Guben. Aber nicht sehr viel weniger (40,3%) floss in die Taschen des Managements. Auch wenn Daten fehlen, so ergibt sich rechnerisch ein Jahreseinkommen von sage und schreibe knapp 400 Tausend Euro pro Person. Von den Ausgaben für das Projekt Guben war bisher so gut wie nichts aktivierbar, d.h. es handelt sich um Projekt- und Planungskosten ohne Vermögenswert. Beim Scheitern des Projekts sind sie verlorenes Gut.

Cash Flow

Seit Beginn 2023 gab RCK 31,2 Mio. aus. Der Cashbestand betrug Ende September 2024 nur noch 4,6 Mio., so dass die Kasse bei gleichbleibenden Ausgaben Ende April 2025 leer ist. RCK muss also in Kürze Kapitalmaßnahmen ergreifen, um weiterarbeiten zu können.

Konsequenz

Alle Zahlen belegen, wie riesengroß der Abstand zwischen der Größe von RCK zum Projekt Guben ist: ein Verhältnis von rund 1:25. Die Ausstattung des Unternehmens an Personal, Know-How und finanzieller Substanz lässt umsichtige Investoren, Banken und selbst Fördermittelgeber so gut wie sicher nicht in die Finanzierung des Projekts einsteigen. RCK ist nicht in der Lage, Sicherheiten zu bieten, die Investoren das Vertrauen in ein gutes und verlässliches Geschäft geben.

Dieses Vorhaben wird nach Lage der Dinge scheitern und die bisherigen Investoren werden ihr Geld nicht wiedersehen. Bei der letzten exempt distribution waren es sechs Deutsche, zwei Schweizer und je ein Italiener, Rumäne, Niederländer, Kanadier und Chinese, die ihre 5,8 Mio. wohl nie mehr wiedersehen werden.